Ein Wandertag nach Ravensbrück

Von Gesa Saschowa, Cindy Lenz und Julia Schüler (Kl. 9/2)
Gastredakteurinnen bei InVitrO – Die Schülerzeitung im Schaukasten und im Internet
Fotos: Frau Zanardi und Laura Promehl
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Link zum Picasaalbum des Wandertages
Am Dienstag, dem 10. Mai 2011, fand die Exkursion der Klassen 9/2 und 9/3 zur Mahn- und Gedenkstätte des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück statt. Wir fuhren um 10:45 Uhr mit dem Bus aus Angermünde los. Um kurz nach 12 Uhr kamen wir an an und jeder hatte die Gelegenheit, mit einer Rose den Opfern zu gedenken. In kleinen Gruppen legten wir unsere Rosen an verschiedenen Denkmälern und anderen Stellen auf dem Gelände nieder. Dazu gehörten zum Beispiel die Grenzmauer des Konzentrationslagers, verschiedenen Skulpturen oder Orte im Krematorium.

Wir gedenken der Opfer
Wir gedenken der Opfer

Für die Führung, die um 13 Uhr stattfand, wurden wir in unsere Klassen aufgeteilt. Die SS-Siedlungen waren von dem KZ abgetrennt. Wir besichtigten zuerst eines der Aufseherinnenhäuser, um uns dort einen Film mit Erinnerungen von Frauen, die die Zeit im KZ überlebt hatten, anzusehen. Noch 70 Jahre später konnten sie sich an die schwere Zeit erinnern. Die Häftlinge wurden im KZ wie Ungeziefer behandelt. Sie bekamen harte Strafen, wenn sie nicht ordnungsgemäß arbeiteten. Dann konnten sie sich zum Beispiel mehrere Knüppelschläge pro Tag abholen.
Danach führte man uns in die ehemlige Kommandantur, das Verwaltungsgebäude des Konzentrationslagers. Dort steht ein Modell der KZ-Anlage und es sind Dokumente und erhaltene Besitztümer ausgestellt. Früher wurden hier unter anderem die Pläne für die Gaskammer entworfen. Man verwaltete in diesem Gebäude auch die Häftlingspersonalien, die unter anderem die Gründen für die jeweilige Festnahme enthielten. Festgenommen wurden zum Beispiel politische Gegner, Homosexuelle, sogenannte Asoziale, Juden und Bibelforscher (Zeugen Jehovas).
Während der Führung
Während der Führung

Danach besichtigten wir das Barackenlager. Die Baracken sind durch Vertiefungen in der schwarzen Schlacke gekennzeichnet. Im KZ gab es früher auch ein Häftlingskrankenhaus. Doch die Frauen wurden dort kaum geheilt. Statt dessen wurden sie als Versuchspersonen für medizinische Experimente missbraucht. Ihnen wurden beispielsweise Knochenteile, Muskeln und Nerven entfernt, um zu erforschen, ob der Körper diese regenerieren kann. Außerdem wurden ihnen Wunden zugefügt, in die man dann Schmutz und Bakterien einnähte.
Auf dem Gelände befinden sich unter anderem auch die ehemalige Kantine der SS-Aufseherinnen und das Fundament des Bades. Dort begann die Demütigung, denn es war für die Frauen psychisch belastend, sich vor anderen nackt auszuziehen. Man kann man sich heute noch einen Eindruck vom ehemaligen Lagergefängnis, einem Gefängis innerhalb des KZ, verschaffen. Dort hielt man unter anderem politische Gegner, wie zum Beispiel die Frau des Vorsitzenden der Kommunistischen Partei, und Häftlinge, die sich nicht an die Regeln hielten, fest. Leider konnten die Schüler der 9/2 die einzelnen Zellen nicht besichtigen. Gegen Ende der Führung sahen wir eine Walze, die uns als ein eindrückliches Beispiel die harte Arbeit der Frauen verdeutlichte. Diese Walze mussten 6-8 Häftlinge ziehen, um Straßen zu errichten.
Gleich daneben konnte man das Krematorium sehen. Hier wurden die Leichen verbrannt. Die Häftlinge wurden entweder erschossen, durch medizinische Experimente getötet oder sie verhungerten. Viele von ihnen wurden damals in der Gaskammer ermordet. Die Gaskammer wurde aber damals vernichtet wurde, um die Geheimhaltung zu bewahren. Insgesamt wurden in diesem KZ in den 6 Jahren von 1939 bis 1945 etwa 130 000 Frauen und 20 000 Männer gefangen gehalten. Von ihnen starben in dieser Zeit ca. 28 000.
Damit war unsere Führung durch das ehemalige Konzentrationslager beendet. Die meisten von uns fanden diesen Wandertag recht interessant. Die 9/2 hätte sich gewünscht, dass sie mehr Zeit in dem SS-Verwaltungsgebäude, im Gefängnis und auf der KZ-Anlage zur Verfügung gestellt bekommen hätte. So wäre es möglich gewesen, diese Orte auch selbst noch einmal zu erforschen.
Link zum Picasaalbum des Wandertages

1 thought on “Ein Wandertag nach Ravensbrück

  1. Schöner Artikel! Er bietet Leuten, die nicht dabei waren, viele nötige Informationen.
    Ich war bei diesem Wandertag selbst dabei und empfinde so, wie es in dem Artikel beschrieben wird. Auch ich hätte mir gewünscht, noch mehr zu sehen und fand es schade, dass das nicht möglich war. Zumal auch schon beim Wandertag nach Ravensbrück im letzten Jahr von den betreffenden Klassen Negatives darüber berichtet wurde. Ich hoffe für die, die nächstes Jahr fahren, dass sie positivere Erfahrungen auf diesem Gebiet machen werden.
    Der Text ist schön geschrieben. Vielleicht hat euch, Gesa, Cindy und Julia, dieser Artikel ja zum Schreiben angeregt und man sieht auf der Homepage in Zukunft mehr Geschriebenes von euch.
    Danke!

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